Projektfinanzierung eines Biogas-Projektes

Jorg Bottcher

2.1 Einleitung

Die International Energy Agency (IEA) prognostiziert in einer ihrer Studien (World Energy Outlook 2009), dass der weltweite primare Energiebedarf zwischen 2007 und 2030 mit einer jahrlichen Wachstumsrate von 1,5 % ansteigen wird, wobei Asien und der Mittlere Osten Haupttrager des Bedarfs sein werden. Die Strom — nachfrage wird im gleichen Zeitraum sogar um 2,5 % ansteigen. Dieser erwartete Energiebedarf lasst sich nur dann decken, wenn auch hinreichende Finanzierungs — mittel zur Verfugung stehen, was vor dem Hintergrund der noch nicht ganzlich aus — gestandenen Finanzkrise eine Herausforderung sein wird. Die IEA sieht bis 2030 einen kumulierten Kapitalbedarf von etwa 26 Billionen USD, wobei etwa die Halfte der Investitionen in Entwicklungslandern benotigt wird. Im gleichen Zeitraum steigen die CO2-Emissionen — ohne einen Politikwechsel — ebenfalls mit einer jahr­lichen Wachstumsrate von 1,5 % an mit den vielfach beschriebenen Folgen fur das globale Klima. Um den Temperaturanstieg unter 2 °C zu begrenzen, bedarf es erheblicher politischer Anstrengungen und umfangreicher Investitionen in umwelt — vertragliche Energietrager. Der Stern-Report hat daruber hinaus deutlich gemacht, welche weltweiten okonomischen Folgen sich aus dem Klimawandel ergeben: Die jahrlichen Kosten entsprechen, sofern nicht gehandelt wird, einem jahrlichen Ver — lust zwischen 5 % bis 20 % des globalen Bruttoinlandsprodukts, wobei Entwick — lungs- und Schwellenlander noch wesentlich harter betroffen sein konnen.

Die genannten Aspekte umreifien das politische Spannungsfeld der Energie — politik, die eine langfristige Versorgungssicherheit zu akzeptablen Preisen und oko — logisch vertraglichen Rahmenbedingungen sicherstellen will. Erneuerbaren Ener — gien kommt in diesem Umfeld eine hohe Bedeutung zu, da sie benotigt werden, um den Treibhauseffekt moglichst klein zu halten. Wahrend bestimmte Formen — wie Wasserkraft, Onshore-Windenergie, Photovoltaik und Biogas — mittlerweile als etablierte Technologien angesehen werden konnen, befinden sich andere Tech — nologien — wie Offshore-Windenergie und Solarthermie — in einer fruhen Markt — phase, die aber gleichwohl erhebliches Ausbaupotenzial versprechen.

Im Rahmen dieser Monographie soll untersucht werden, welche Rah­menbedingungen bei der Realisierung von Biogas-Vorhaben in Form einer Projekt — finanzierung zu beachten sind. Dies verlangt, wie im Vorwort beschrieben, eines

J. Bottcher, Management von Biogas-Projekten,

DOI 10.1007/978-3-642-20956-7_2, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013 17

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Abb. 2.1 Prognose der globalen installierten Stromerzeugung in TWh pro Jahr

abgestimmten Vorgehens von Spezialisten aus den Bereichen Recht, Technik und Wirtschaft, was sich hier in einer Aufteilung in drei entsprechende Themenblocke widerspiegelt.

In der Einleitung hat Sandra Rostek skizziert, welche Zukunftsperspektiven die Biogas-Branche hat und vor welchen Herausforderungen sie steht. In diesem Ubersichtskapitel beschreibt Jorg Bottcher die wesentlichen Aspekte einer Projekt­finanzierung und leitet dabei auf die einzelnen Fachkapitel uber.

Im rechtlichen Teil stellen Dr. Andreas Gabler, Dr. Florian-Alexander Wesche und Dr. Jorn Kassow dar, wie das deutsche Regulierungssystem hinsichtlich Genehmigung, Vergutungssystem und Netzzugang strukturiert ist. Kerstin Semmler beleuchtet im Anschluss zwei wesentliche Projektvertrage, den Generalunternehmer — vertrag und den Biomasseliefervertrag, die fur die rechtliche Strukturierung und wesentliche Teile der Risikoallokation essentiell sind. Dr. Thorsten Gottwald und Dr. Sophie Oldenburg beleuchten einzelne rechtliche Teilaspekte und Fallstricke, die bei der Realisierung von Biogas-Projekten zu beachten sind. Abgeschlossen wird dieser erste Block mit dem Beitrag von Dr. Swantje Eigner-Thiel, Prof. Dr. Jutta Geldermann und Meike Schmehl, die die wesentlichen sozialen Aspekte einer Biomassenutzung aufgreifen und angemessene Losungsmoglichkeiten prasentieren.

Im technischen Teil stellen Dr. Britt Schumacher und Prof. Dr. Frank Schol — win dar, welche Aspekte bei der Biomassebeschaffung und Biomasseaufbereitung zu berucksichtigen sind. Saskia Oldenburg, Prof. Dr. Martin Kaltschmitt et al. beschreiben die technischen Aspekte einer Biogas-Anlage. Kai Basedow beschreibt, wie der Fertigstellungsprozess eines Biogasprojektes gemanagt werden kann. Matthias Grotsch untersucht die Ausgestaltung der Beschaffungsseite eines Biogasprojektes. Damit werden im Technik-Teil die Aspekte dargestellt, die fur die

Beurteilung der langfristigen Geeignetheit der Technik und der Steuerung der Stoff — strome relevant sind.

Im wirtschaftlichen Teil wird auf den Ergebnissen der rechtlichen und tech — nischen Darstellung aufgesetzt, die um verschiedene, komplementare wirt — schaftliche Teilaspekte erganzt werden. Dem Thema Versicherung wird mit der Darstellung gewerblicher Versicherungen (Dr. Michael Harig) umfangreich Raum gegeben. Jorg Bottcher gibt Hinweise zur Optimierung der Finanzierungsstruktur.

Ein Blick auf die bisherige Entwicklung von Biogasanlagen in Deutschland zeigt ein aufierordentlich dynamisches Wachstum insbesondere in den letzten zehn Jahren (s. Abb. 1.2). Fragt man nach den Grunden fur die ausgepragte Erfolgsstory bei der Biogasnutzung, so wird man Folgendes festhalten konnen: Insbesondere die relativ niedrigen Stromgestehungskosten begunstigen die Finanzierbarkeit von Biogas-Projekten. Hinzu kommt die Speicherbarkeit von Biogas, aus der sich die alternativen Moglichkeiten der Grundlastfahigkeit als auch ein nachfrageorientierter Einsatz in der Spitzenlast ableiten. Grundsatzlich resultiert hieraus ein Risikoprofil, das Biogas fur eine Projektfinanzierung attraktiv macht. Und nicht zuletzt hat der Gesetzgeber seit der Einfuhrung des EEG Anreize gesetzt, die das Wachstum der Branche uberhaupt erst ermoglicht haben.

Den Vorteilen der Biogasnutzung stehen einige Nachteile entgegen: Zunachst ist Biomasse ein begrenzter Rohstoff, um den ein Wettbewerb fur andere Ver — wendungszwecke besteht, der zu Nutzungskonflikten fuhren kann. Weiter besteht ein „Warmedilemma“: Im Sommer haben die Kraftwerksbetreiber kaum die Moglichkeit, Warme zu verkaufen, was ihre Wirtschaftlichkeit senkt. Schliefilich ist die Steuerung der Stoffstrome und das Management der Biologie eine komplexe Aufgabe, die viel Erfahrung und technisches Know-how verlangt.

Eine weitere dynamische Entwicklung der Biogas-Branche erscheint nur dann moglich, wenn eine Kontinuitat und Planbarkeit der staatlichen Fordersysteme erhalten bleibt. Diese Entwicklung ist auch wunschenswert, weil Biogas eine dezentrale, kostengunstige und grundlastfahige Erzeugungsform der erneuerbaren Energien darstellt.

Der Anteil des Stromverbrauchs, der durch Biogas abgedeckt wird, lag im Jahr 2010 in Deutschland bei etwa 2,1 %’.

Regelmafiig werden Biogasvorhaben in Form einer Projektfinanzierung realisiert, da fur die Sponsoren eine Haftungsbeschrankung erreicht werden kann. Dies gelingt aber nur, wenn die vom Projekt generierten Cashflows als so stabil und vorhersagbar angesehen werden konnen, dass auf eine Mithaft der Initiatoren uber die gesamte Projektdauer verzichtet werden kann. Welche methodischen Besonderheiten bei einer Projektfinanzierung dabei zu beachten sind, stellen wir im Abschn. 2.2 vor. [1]

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