Einleitung: Zukunftsperspektiven und Herausforderungen des Biogas-Marktes

Sandra Rostek

Die energetische Nutzung von Biomasse bewegt sich im internationalen Spannungs — feld unterschiedlicher Politikbereiche. Im Wesentlichen lassen sich die Ziele, die mit dem Ausbau der Bioenergie verknupft werden, in die Bereiche Energiepolitik, Umweltpolitik, Agrarpolitik und Wirtschaftspolitik einordnen. Energiepolitische Zielstellungen umfassen dabei international betrachtet hauptsachlich Aspekte der Versorgungssicherheit und der Gesundheit durch Reduktion von Emissionen. Umweltpolitische Parameter mit Bezug zur Bioenergie sind unter anderem Klima, Biodiversitat und der Erhalt bzw. die Entwicklung landlicher Raume. LetztererAspekt ist auch ein Ziel der Agrarpolitik; insbesondere in Armuts — und Schwellenlandern zu erganzen um Armutsbekampfung im landlichen Raum. Der Fokus der Wirtschafts­politik schliefilich liegt auf der der Forderung und dem Export von Rohstoffen und innovativen Technologien. Die einzelnen Aspekte und Ziele werden von Land zu Land unterschiedlich gewichtet und konnen sich im Zusammenspiel teilweise erganzen, aber auch in konkurrierender Weise beeinflussen (DBFZ 2011, S. 5-7). Wer sich also mit der Frage nach Zukunftsperspektiven und Herausforderungen im Bereich der Biogaserzeugung und — nutzung beschaftigt, der sollte den Kontext, in den diese eingebettet ist, stets mit berucksichtigen. So kommt etwa der Zielstellung der Versorgungssicherheit in nahezu allen Nationen eine zentrale Rolle zu, wahrend klimapolitische Ziele in besonderem Mafie in der Europaischen Union formuliert und mithilfe entsprechender Umsetzungsinstrumente implementiert werden, wie beispielsweise der EU Directive 2009/28/EG. Die EU hat sich bis 2020 zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen um mindestens 20 % zu senken, den Energie- verbrauch durch Energieeffizienz-Mafinahmen um 20 % zu verringern und 20 % des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken (EU Directive 2009/28/EG).

Auf dieser Grundlage sollen die erneuerbaren Energien zukunftig auch in Deutschland einen zentralen Beitrag zu der Energieversorgung ubernehmen. Ihr Anteil soll bis 2020 auf mindestens 35 % der Stromversorgung, 14 % der War — mebereitstellung und 10 % des Kraftstoffverbrauches erhoht werden. Bis 2020 sollen auch die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 40 % verringert werden.

Deutschland hat daruber hinaus weitere Zielstellungen formuliert: „Die Sicher — stellung einer zuverlassigen, wirtschaftlichen und umweltvertraglichen Energiever­sorgung ist eine der grofiten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“, so heifit es

J. Bottcher, Management von Biogas-Projekten,

DOI 10.1007/978-3-642-20956-7_1, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013
im ersten Satz des Energiekonzepts der Bundesregierung, vorgelegt vom Bundesmi — nisterium fur Wirtschaft und Technologie und dem Bundesministerium fur Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit am 28. September 2010 (BMWi/BMU, 2010). Bei der Beantwortung der Frage nach Zukunftsperspektiven und Herausforderun­gen des Biogasmarkts, der auf den folgenden Seiten nachgegangen werden soll, bietet bereits dieser erste Satz eine wesentliche Orientierungshilfe: sicher, bezahlbar und umweltfreundlich soll sie also sein, die Energie der Zukunft in Deutschland. Das mit diesen drei Eckpfeilern formulierte Zieldreieck ist der Rahmen, in dem sich der Ausbau der regenerativen Energien in Deutschland in den kommenden Jahren und Jahrzehnten bewegen wird. Auch fur den Biogasmarkt sind diese drei Aspekte somit die Mafigabe und die Messlatte der kunftigen Marktentwicklung und sollen bei der Analyse der Zukunftsperspektiven und Herausforderungen im Rahmen die­ses Beitrags herangezogen werden.

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